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MoNa Workshop "Frankfurter Impulse zur Externenprüfung und neue bundesweite Modelle zur Nachqualifizierung"
am 30.06.2010 in Frankfurt
Am 30. Juni 2010 stellten Vertreterinnen und Vertreter von Kammern, Bildungsträgern, Beratungseinrichtungen und Institutionen verschiedene Modelle der beruflichen Nachqualifizierung vor und diskutierten Herausforderungen bei der Vermittlung von Deutschkenntnissen. In moderierten Gesprächsrunden konnten die gut 40 Besucherinnen und Besucher des Workshops Nachfragen zu den Vorträgen stellen und Ideen zu den verschiedenen Problemfeldern entwickeln.
Nach der Begrüßung durch Britta Lahdhili, Koordinatorin des Projekts Modulare Nachqualifizierung Frankfurt, stellte Marion Kranz von der HWK Südthüringen den Qualifizierungspass vor, der im Rahmen des Projekts Abschlussorientierte Modulare Nachqualifizierung Südthüringen entwickelt wurde.
Ziel des Projekts ist es, dem Fachkräftemanngel in der Region durch die Nachqualifizierung An- und Ungelernter entgegenzuwirken. Hierzu wurde ein modulares Qualifizierungskonzept ausgearbeitet, das die Teilnehmenden in einer Kombination aus betrieblicher und externer Qualifizierung auf die Externenprüfung (u.a. in den Berufen Elektroniker, Metallbauer, Koch und Tischler) bei den Kammern vorbereitet. Im Qualifizierungs-Pass werden sowohl die Modul-Gliederung und der Qualifizierungskalender als auch die Qualifizierungsnachweise und die Zertifikate der Modulprüfungen gesammelt. Somit lassen sich einerseits das Schulungsprogramm und die inhaltlichen Anforderungen und andererseits die Fortschritte in der Qualifizierung abbilden und gegenüber den Kammern verbindlich darstellen. Dadurch wird die Zulassung zur Externenprüfung deutlich vereinfacht.
Bisher haben knapp 60 Menschen an der Maßnahme teilgenommen; davon konnten 37 in Beschäftigung vermittelt werden. Qualifizierungspass in Südthüringen
Im Anschluss hieran wurde der Blick stärker auf die Situation im Rhein-Main-Gebiet gelenkt. Frank Ziemer (IHK Frankfurt am Main), Bernd Sieber (HWK Rhein-Main) und Dieter Schütz (Walter-Kolb-Stiftung) gaben in einer Interviewrunde Auskunft zu den Themen Externenprüfung und Weiterbildungsberatung.
Bei der Handwerkskammer sei die Nachfrage nach Externenprüfungen relativ gering. Statt einen Berufsabschluss nachholen zu wollen, beantragten viele eine Zulassung auf Ausübung eines Handwerks ohne Meisterprüfung. Bei der IHK sei die Nachfrage deutlich größer, z.B. in Büroberufen.
Dieter Schütz betonte, dass ein Ausbau der Beratung notwendig sei, um mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ihre Möglichkeiten in der Weiterbildung aufzuzeigen. Hier sei es notwendig, stärker auf die Menschen zuzugehen, um Informationen breiter streuen zu können.
Wie Bernd Sieber betonte, seien die HWKs vor allem in den Schulen aktiv und würden dort für Nachwuchs im Handwerk werben.
Im anschließenden Vortrag stellte Ulrike Dimpl vom Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt (AMKA) einige Thesen zur Deutschförderung in der beruflichen Bildung vor.
Zentral für ihr Argument war die Unterscheidung von Alltags- und Bildungssprache – letztere zeichne sich durch höhere Komplexität und Dichte und schwierige Sprachstrukturen und –formen aus. Vor allem für Menschen, die keine Muttersprachler sind, und für schulungsungewohnte Personen stellten Weiterbildungen oftmals eine Herausforderung dar, da hier der sichere Umgang mit Bildungssprache vorausgesetzt werde. Wenn auf lange Sicht der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Weiterbildung erhöht und die Zahl der Geringqualifizierten vermindert werden soll, sei es unumgänglich, dieses Problem in den Blick zu nehmen. Hierzu sei eine Förderung bildungssprachlicher Kompetenzen möglichst schon im Vorfeld beruflicher Qualifizierung notwendig. Darüber hinaus – und weit wichtiger – müsste in Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung besser auf Menschen eingegangen werden, die Deutsch nicht als Bildungssprache beherrschten. Dies könne zum einen dadurch geschehen, dass Lehrmittel und Prüfungen so formuliert werden, dass sie für Menschen mit geringer bildungssprachlicher Kompetenz leichter verständlich sind. Zum anderen müsste das Lehrpersonal geschult werden, um Zweisprachensensibilität und Achtsamkeit im eigenen Sprechverhalten ebenso zu fördern, wie didaktische Kompetenzen bei der Förderung von Bildungssprache und allg. interkulturellen pädagogischen Kompetenzen.
All dies sei notwendig, um auf der einen Seite dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen und um auf der anderen Seite der wachsenden Zahl von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die keinen Schul- oder Berufsabschluss haben, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Integrierte Deutschförderung in der beruflichen Bildung
Als Beispiel einer gelungenen Verbindung von beruflicher Qualifikation und pädagogischer Betreuung stellte Juliane Firlus – Mitarbeiterin im Projekt Integra.net und Mitglied im Facharbeitskreis Qualifizierung – ein Projekt in Mannheim vor. Dort waren mehrere Menschen, die in der Türkei Friseur gelernt hatten, in einem mehrwöchigen Kurs auf die Externenprüfung vorbereitet worden. Neben dem theoretischen und praktischen Unterricht wurden die Teilnehmenden von Pädagogen begleitet, die ihnen bei Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung behilflich waren.
Als Anschauungsmaterial diente der Film „Gut abgeschnitten“, der über das Projekt gedreht wurde und auf der Website von Integra.Net zu sehen ist (http://www.integra-net.org/) oder über unsere Seite Aktuelles.
Nach der darauf folgenden Kaffee-Pause hatten die Besucherinnen und Besucher des Workshops die Gelegenheit, zu den bisherigen Themen des Tages miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Vortragenden des Vormittags standen zu den Themen weiterbildungsbegleitende Hilfen, Qualifizierungspass und Externenprüfung für Diskussionen und Nachfragen zur Verfügung. Die Diskussions- und Fragerunden waren so organisiert, dass die Besucherinnen und Besucher des Workshops in drei Gruppen aufgeteilt wurden und die einzelnen Stationen nacheinander durchliefen. So konnten Fragen zu allen Themen erörtert werden und durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Kleingruppen wurden je andere Schwerpunkte gesetzt. Moderiert wurden die Runden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projekts Modulare Nachqualifizierung Frankfurt.
An der Station zum Thema weiterbildungsbegleitende Hilfen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit Fragen zu den Vorträgen von Ulrike Dimpl und Juliane Firlus zu stellen. Zentral waren hier die Fragen nach den Rahmenbedingungen der wbH und danach wie die wbH unter Berücksichtigung der Adressatenorientierung erfolgreich umgesetzt werden können. Auch kam die Frage auf, welche Rollen und Aufgaben dabei den Lehrkräften zukämen und wie sich diese die notwendigen Voraussetzungen und Fähigkeiten aneignen könnten.
Frau Dimpl verwies auf die Fortbildungsmodule, die vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten in Kooperation mit dem Rhein-Main Jobcenter GmbH durchgeführt worden sind und sich an Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Fachlehrerinnen und Fachlehrer richten. Das Positionspapier zu den weiterbildungsbegleitenden Hilfen steht zum Download bereit unter: www.amka.de <http://www.amka.de> unter „Publikationen“ oder www.bibb.de/de/wlk28963.htm unter „Vorträge, Präsentationen, Materialien“.
An der Station zum Qualipass wurde neben den Vor- und Nachteilen der Maßnahme vor allem diskutiert, wie potentielle Teilnehmende anzusprechen seien und wie sich diese und ähnliche Maßnahmen koordinieren lassen. Sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber ist eine Qualifizierung, wie sie von Frau Kranz vorgestellt wurde, attraktiv. Zum einen ginge der Arbeitnehmer über die Weiterbildung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, der Arbeitgeber hätte andererseits jedoch durch die Möglichkeit der WeGebAU-Finanzierung nur sehr geringe Ausgaben für die Auszubildenden. Als mögliche Nachteile wurde angesehen, dass die Arbeitnehmer auf Grund der Schulungen 30% der Arbeitszeit nicht zur Verfügung stehen und dass die modulare Nachqualifizierung teurer sei, als eine klassische Umschulung, die sich an dieselbe Zielgruppe wende.
Wichtig für die Koordination solcher und ähnlicher Weiterbildungsmodelle sei, dass versucht werden solle, standortübergreifend zu arbeiten. Zurzeit sind im Bundesprogramm Perspektive Berufsabschluss 22 Projekte zusammengeschlossen – hier sei es nicht nötig, in jedem Projekt eigene Qualifizierungswege zu entwickeln. Gleichzeitig sei es wichtig, Ausbildungsbetriebe zu gewinnen, um die Ausbildung in einem angemessenen Umfang durchführen zu können.
An der dritten Station ging es um die Externenprüfungen bei den Kammern und die Frage, wie diese angenommen und bewertet würden. Wichtig zu bedenken sei, dass die nötige Eigeninitiative recht hoch sei, um die Vorbereitung auf eine Externenprüfung zu meistern, auch wenn die Teilnehmenden dadurch eine Möglichkeit bekämen, ihre berufliche Zukunft nachhaltig zu verbessern. Daher sei es notwendig verstärkt auf eine aktive Informationspolitik zu setzen und potentiellen Teilnehmenden ihre Chancen aufzuzeigen. Auch Bildungsträger müssten in die Informationsarbeit miteinbezogen werden, um mehr Vorbereitungskurse anbieten zu können. Bislang sei von Unternehmensseite keine deutliche Steigerung der Nachfrage festzustellen. Es schient so, als ob die Unternehmen, die größtenteils mit geringqualifiziertem Personal arbeiteten, keinen großen Bedarf hätten, dies zu ändern. Gleichzeitig investierten Unternehmen mittlerweile mehr in die Nachwuchsförderung und deckten auf diesem Wege den zukünftigen Fachkräftemangel ab.
Als letzter Programmpunkt des Workshops kamen die Vortragenden des Tages zu einer abschließenden Podiumsdiskussion zusammen, die von Karl-Heinz Lüke, Projektleiter von MoNa Frankfurt moderiert wurde.
Im Anschluss an die Eröffnungsrunde ging es auch hier noch einmal um die Frage, inwieweit die Kammern dazu beitragen können, den Fachkräftemangel zu beheben. Herr Ziemer wies darauf hin, dass die IHK zusammen mit der TU Darmstadt ein Fachkräftemonitoring für die Region durchführt. Damit sei ein zuverlässiges Instrument zur Feststellung von Ausbildungsbedarfen und zur Beobachtung des Arbeitsmarkts geschaffen. Bei der Gewinnung von Nachwuchs konzentriere sich die IHK hauptsächlich auf jüngere Menschen. Es finde jedoch eine Weiterbildungsberatung statt, die jedoch vor allem auf die Angebote der IHK fokussiert sei.
Hieran anschließend richtete sich die Frage an Herrn Sieber, inwieweit der Fachkräftemangel im Handwerk auf eine unzureichende PR zurückzuführen sei. Herr Sieber wies auf die große Kampagne der Handwerkskammern hin, die in den nächsten fünf Jahren auf „die Wirtschaftsmacht von nebenan“ – so der Slogan – aufmerksam machen soll. Mit einem frecheren Auftreten als bisher sollen vor allem junge Menschen angesprochen werden. Da eine TV- und Plakat-Kampagne allein nicht ausreiche, um Menschen dauerhaft anzusprechen, sei die HWK in Rahmen des Projekts OloV (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit bei der Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hessen) auch verstärkt an Schulen präsent. Hierbei ginge es auch darum, die Berufe stärker ins Bewusstsein zukünftiger Auszubildender zu bringen, die derzeit nicht so stark nachgefragt würden.Als eine Möglichkeit, Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt schlechte Chancen haben, wies Herr Lüke auf den Frankfurter Weg hin. Dieser beruhe auf einem ähnlichen Konzept, wie die von Frau Kranz vorgestellte Qualifizierung. Es stelle sich bei allen diesen Maßnahmen die Frage, wie sie auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden abzustimmen seien. Wie Frau Kranz ausführt sieht sie die besten Chancen für eine erfolgreiche Nachqualifizierung. darin, diese in Kleingruppen durchzuführen. Darüber hinaus hänge viel am Engagement der Anbieter, die in der Lage sein müssten, die Teilnehmenden über die Dauer der Qualifizierung zu motivieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem erfolgreiches Lernen möglich ist.
Im Anschluss daran richtete sich die Frage an Herrn Schütz, wie er die Themen Profiling und Kompetenzfeststellung einschätzt, die in der letzten Zeit immer stärker als Schlüssel für eine erfolgreiche Qualifizierung angesehen werden. Diese Instrumente werden auch von Herrn Schütz als wichtiges Mittel angesehen, um passgenaue Qualifizierungen planen zu können. In den Beratungen der Walter-Kolb-Stiftung werde versucht, ein möglichst genaues Bild der gegenwärtigen Situation und der Kenntnisse und Fähigkeiten der Beratung Suchenden zu bekommen. Jedoch erlaubten die finanziellen Mittel der Stiftung und der offene Charakter der Beratung es nicht, kostenintensive Testverfahren anzuschaffen und durchzuführen.
Bezugnehmend auf ihren Vortrag zur Vermittlung von Sprachkenntnissen wurde Frau Dimpl nach der Bedeutung einer zunehmenden Sensibilisierung von Multiplikatoren und Verantwortlichen gefragt. Sie wies darauf hin, dass dieser Bereich der Arbeit zwar einerseits von großer Bedeutung sei, andererseits jedoch auch sehr zeit- und personalintensiv sei. Das AMKA hat in der Vergangenheit Schulungen für Lehrpersonal durchgeführt, um eine Sensibilisierung für das Thema Deutsch als Bildungssprache zu erreichen. Für die Zukunft seien weitere Workshops für Beraterinnen und Berater geplant.
Auf die Rolle von Multiplikatoren bezog sich auch der Beitrag von Frau Firlus, die darstellte, dass die Erfahrungen und best-practice-Beispiele aus den Projekten im Rahmen von Integra.Net über bundesweite Facharbeitskreise kommuniziert werden. Hier sei es möglich, auch Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen, da die Ergebnisse der Arbeitskreise von den Ministerien und Forschungsstellen, die die einzelnen Projekte in Auftrag geben bzw. diese begleiten, aufmerksam verfolgt und evaluiert werden.
