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Perspektiven der beruflichen Weiterbildung in Frankfurt und der Region - MoNa - Fachtagung am 03.12.2009

 MoNa-Team Frankfurt  

Protokoll
 

1 Inputreferate
 

1.1 „Entwicklung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs in Frankfurt“
Prof. Dr. Alfons Schmid, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) - Folien
 

1.2 „Bedeutung der Weiterbildung für den Standort Frankfurt“
Fr. Panke-Spruck, Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH

Es sei eine zunehmende Differenzierung und Spezialisierung von Qualifikationen zu verzeichnen, was zu einem zunehmenden Bedarf an Fachkräften führe. Dieser lasse sich jedoch nicht mehr decken. Dies zeigt sich u.a. an nicht besetzten Ausbildungsplätzen und Fachkräftemangel in der Logistik-Branche. Gleichzeitig hat Frankfurt auf Grund des hohen Anteils an gut qualifizierten ArbeitnehmerInnen einen Standortvorteil – insb. Banken, Versicherungen und DienstleisterInnen können ihren Bedarf an Arbeitskräften hier nach wie vor gut decken.
Weitere Standortfaktoren: Arbeitskosten sind in Deutschland im letzten Jahr weniger stark gestiegen als in anderen EU-Ländern. Hohes Qualifikationsniveau ist einer der Gründe für die Rücklagerung von Firmen, die zuvor ins Ausland abgewandert waren (zur Zeit liegt das Verhältnis von Aus- zu Rücklagerungen bei 3:1)

1.3 „Perspektive Berufsabschluss“
Dr. Hans-Peter Albert, Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) - Folien
1.4 „Impulse aus anderen Vorhaben“
Eva Schweigard-Kahn, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) - Folien

Herr Albert konnte nicht an der Tagung teilnehmen, da sein Zug liegen geblieben ist. Sein Vortrag wurde von Frau Schweigard-Kahn übernommen.
Gespräche beim MoNa-Fachtag

 

2 Beispiele aus der Praxis
 

2.1 „Vorstellung MoNa Frankfurt“
Britta Lahdhili, BWHW

Vorstellung des Projekts MoNa Frankfurt im Rahmen von Perspektive Berufsabschluss.
· Beratung von Firmen zu Möglichkeiten und Chancen der Weiterbildung
· Zusammenarbeit mit Arbeitsmarktakteuren, um modulare Nachqualifizierung als Thema zu etablieren und Strukturen aufzubauen
· Aufteilung zwischen den Mitarbeitern nach Branchen (bisher in den Bereichen: technisch-gewerblich, Pflege, Gastronomie, ein MA für Betriebe mit migrantischen Inhabern)

 

2.2 „Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit“
Heike Stauder, Agentur für Arbeit Frankfurt am Main

Darstellung des Programms WeGebAU mit Flipchart-Präsentation

2.3 „Nachqualifizierungen in der Pflege“
Hiltrude Röckl, maxQ. im bfw – Unternehmen für Bildung - Folien

Die Ausbildungen im Pflegebereich sind an Bundes- und Landesrecht gebunden, hier ist keine Modularisierung möglich.
Bei maxQ wurden über das Programm WeGebAU v.a. Kurse im Bereich „Altenpflegehilfe“ gefördert. Darüber hinaus gibt es auf Landesebene die Möglichkeit, dass Schulkosten gefördert werden. Ansonsten ist eine Förderung nur über Einzelfallgenehmigungen möglich. Insb. die Zertifizierung von Kursen stellt sich als Problem dar, da hierfür ein Vorlauf von 8-12 Wochen eingerechnet werden muss. Dieser Zeitraum ist zu lang, um mit der oftmals recht kurzfristigen Personalplanung in Pflegeeinrichtungen kompatibel zu sein.
maxQ hat bisher 100 Personen aus- und 200 weitergebildet.
Es können bei maxQ auch Anerkennungsprüfungen für EU-AusländerInnen durchgeführt werden – was fehlt sind Möglichkeiten der Sprachförderung und des interkulturellen Trainings.

Beiträge zur MoNa-Fachtagung2.4 „Aufbau von Netzwerken in der Weiterbildungsförderung“
Juliane Firlus, BWHW

Vorstellung von IntegraNet
Das Projekt konzentriert sich in seiner strategischen Arbeit auf die Teilnahme an einem bundesweiten Facharbeitskreis, der zum Thema Qualifizierung für Menschen mit Migrationshintergrund arbeitet.
Die praktische Arbeit konzentriert sich (in Zusammenarbeit mit KUBI e.V. und Kompass) auf die Netzwerkarbeit mit Migrantenselbstorganisationen; hier werden v.a. Multiplikatoren-Schulungen und Arbeitsmarktgespräche organisiert.
http://www.integra-net.org

2.5 „Externenprüfungen als eine Möglichkeit zum Berufsabschluss“
Frank Ziemer, Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main
Bernd Sieber, Handwerkskammer Rhein-Main

Externenprüfungen als eine Möglichkeit, im Beruf erworbene Qualifikationen anerkennen zu lassen. Nachfrage ist eher gering – relativ viele BewerberInnen werden auf Grund mangelnder Deutschkenntnisse bzw. schlechter Aussicht auf Bestehen der theoretischen Prüfung abgelehnt.
Der Großteil der Externenprüfungen bei der HWK wird von Leuten abgelegt, die vorher eine schulische Ausbildung gemacht haben, jedoch auch noch einen Gesellenbrief haben wollen (MaßschneiderInnen, tw. WaldorfschülerInnen) und Leuten, die sich selbständig machen wollen (53 von ehemals 94 Vollhandwerken sind mittlerweile ausgelagert, so dass Selbständigkeit mittlerweile mit Sachkundeprüfung möglich ist).
Darüber hinaus ist eine Zulassung ausländischer Ausbildungen möglich (Grundlage: bilaterale Abkommen mit Österreich, Schweiz, Frankreich und Anerkennung bei SpätaussiedlerInnen).
Fachkräftebedarf in Unternehmen des Handwerks wird – so Herr Sieber – größtenteils über Ausbildungen und nicht über Weiterbildung gedeckt.

 

3 Podium


Friedrich Avenarius, Hessen-Metall Rhein-Main-Taunus
Volker Erhard, Agentur für Arbeit Frankfurt am Main
Harald Fiedler, Deutscher Gewerkschaftsbund Frankfurt am Main
Bernd Maurer, Infraserv
Karl-Heinz Lüke, BWHW
Cornelia Seitz, BWHW (Moderation)

Das Podium wurde durch Bernd Maurer eröffnet, der die Hintergründe der von ihm betreuten Qualifizierungsoffensive bei Infraserv darstellte. Im Rahmen von Umstrukturierungen zeigte sich, dass in einer Abteilung Personalüberhänge bei gleichzeitigem Personalbedarf in anderen Abteilungen bestanden. Dies wurde zum Anlass genommen,  42 MitarbeiterInnen in einer Qualifizierungsoffensive zusammenzufassen, in der sowohl eine Neuorientierung als auch eine Optimierung von Qualifikationen stattfinden sollte. Nach Einzelgesprächen wurden Qualifizierungsvereinbarungen getroffen, in denen die Qualifizierungswege festgeschrieben wurden. Nach Abschluss der vereinbarten Qualifizierungen wurden 41 der 42 MitarbeiterInnen wieder in das Unternehmen eingegliedert, oftmals in neue Geschäftsbereiche.

Volker Erhard verwies in einer ersten Einschätzung des Programms WeGebAU darauf, dass seit Beginn des Programms 2006 in Frankfurt 300-400 ArbeitnehmerInnen qualifiziert wurden. In Anbetracht des bürokratischen Aufwands und der recht langen Wartezeiten ist er von der Wirksamkeit des Programms WeGebAU wenig überzeugt.

Harald Fiedler wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass das Programm WeGebAU auf Initiative der ArbeitnehmerInnenvertreter im Aufsichtsrat der Bundesagentur initiiert wurde. Auch er erkannte die organisatorischen Probleme in der Umsetzung des Programms an. Die Agenturen seien nicht für die Antragstellung aus- und eingerichtet.

Friedrich Avenarius sah den Hauptgrund für Weiterbildung in Betrieben in dem Anspruch, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Der Bedarf orientiere sich nicht an der Einführung von Förderprogrammen, sondern an betrieblichen Überlegungen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 4 Milliarden € für Qualifizierung ausgegeben worden; 93% der Unternehmen mit mehr als 20 MitarbeiterInnen seien in der Weiterbildung aktiv. Die Kosten für die Weiterbildung beliefen sich im Mittel auf mehr als 1.000 € pro Arbeitnehmer und Jahr.

Karl Heinz Lüke verwies auf die Notwendigkeit in Unternehmen zur kontinuierlichen Weiterbildung und Nachqualifizierung. Unabhängig hiervon haben Unternehmen ein gesondertes Interesse daran, Qualifizierung speziell für die Gruppe der Ungelernten anzubieten um diese zu FacharbeiterInnen weiterzubilden.
In Anbetracht der sich schnell ändernden Qualifikationserfordernisse sei ein „Lernen auf Vorrat“ kaum noch möglich. Darüber hinaus begegneten viele An- und Ungelernte einer möglichen Weiterbildung ablehnend, da sie oftmals negative Erfahrungen im Zusammenhang mit Bildung gemacht hätten.

Podiumsdiskussion - MoNa-FachtagungBernd Maurer wies darauf hin, dass in dieser Zielgruppe Bildung generell emotional mit Misstrauen belegt sei. Besonders ältere MitarbeiterInnen hätten inzwischen das Lernen verlernt und stießen sehr schnell an ihre Grenzen. Begeisterung und Motivation seien wichtige Voraussetzungen für den Erfolg von Nachqualifizierungs-Maßnahmen.

Friedrich Avenarius betonte die Bedeutung eines konstruktiven Zusammenspiels zwischen Betrieb und MitarbeiterInnen. Unterschiedliche Qualifizierungsziele wie z.B. Entwicklungsqualifizierung, Anpassungsqualifizierung, Umqualifizierung, Nachqualifizierung (NQ) bedingten unterschiedliche vertragliche Regelungen zwischen Betrieb und MitarbeiterInnen. So sei es z.B. möglich, dass diese anteilig Arbeitszeit einbrächten. Zertifizierung sei „der pure Wahnsinn", sie bedeute eine Blockade für die NQ.

Auf Nachfrage von Cornelia Seitz, wie sich die Agentur für Arbeit in Anbetracht ihres Kernauftrags zu diesen Problemlagen stelle, wies Volker Erhard noch einmal darauf hin, dass die Kernaufgaben der Agentur für Arbeit der Abbau der Arbeitslosigkeit und die bedarfsgerechte Vermittlung von ArbeitnehmerInnen seien. Das Programm WeGebAU sei eine vorbeugende Maßnahme, die jedoch eine stärker individualisierte Form der Weiterbildung, die seiner Ansicht nach sinnvoll und notwendig sei, erforderlich mache. Auch sei die Notwendigkeit der AZWV-Zertifizierung oftmals ein Hindernis bei der zeitnahen Durchführung von Weiterbildungen. Er halte Weiterbildungen v.a. für ArbeitnehmerInnen zwischen 30 und 45 für sinnvoll; bei Älteren sei die Distanz zum Lernen mittlerweile sehr groß. Jedoch müssten auch die jüngeren ArbeitnehmerInnen das Lernen wieder lernen.

Harald Fiedler macht darauf aufmerksam, dass lediglich 10% der in Weiterbildung investierten Ressourcen in die Qualifikation von an- und ungelernten ArbeitnehmerInnen fließen. Diese Gruppe investiere darüber hinaus mehr eigenes Geld in Weiterbildung als Qualifizierte.

Volker Erhard verwies auf das zur Zeit zusätzlich bestehende Problem, dass nicht absehbar sei, mit welchem Ziel Mitarbeiter in eine Weiterbildung gehen. Für ArbeitnehmerInnen wie für ArbeitgeberInnen müsse ein Ziel bei der Weiterbildung in Sicht sein.

Abschließend wurde von Cornelia Seitz an alle Podiumsmitglieder die Frage gestellt, wo es mit der Nachqualifizierung an- und ungelernter Arbeitnehmer hingehen solle.

Karl-Heinz Lüke plädierte dafür, die Weiterbildung in den Betrieben zu fixieren.
Für An- und Unqualifizierte sei zu prüfen, ob die Lehr- und Lernformen passen, oder ob eher praxisorientierte Angebote nach einem modularen System gemacht werden sollten.

Bernd Maurer machte den Betrieben Mut zur Nachqualifizierung. Dabei sei auf der operativen Ebene zu starten.

Friedrich Avenarius wies unter Bezug auf den Vortrag von Prof. Schmid darauf hin, dass es für An- und Ungelernte zur Zeit kein Mismatch in der Rhein-Main-Region gäbe.

Harald Fiedler schlug den Bildungsträgern vor, den ArbeitgeberInnen den operativen und formalen Teil der Organisation von Weiterbildungsmaßnahmen abzunehmen. Der Frankfurter Weg zum Berufsabschluss könne als Schablone auch bei sozialversicherungspflichtigen ArbeitnehmerInnen mit oder ohne Migrationshintergrund in den Betrieben angewendet werden.

Protokoll erstellt von C. Bestian und H. Morgenstern
 

MoNa-Fachtagung

 

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