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MONA-Fachtagung am 01.12.2010
Diversität in der modularen Nachqualifizierung

Die diesjährige Winterfachtagung des Projeks MoNa Frankfurt beschäftigte sich hauptsächlich mit Nachqualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten, die einen Schwerpunkt auf die Förderung von Menschen mit Migrationshintergrund legen. Die Vorträge der VertreterInnen von Kammern, Bildungsträgern und Unternehmen sowie der Teilnehmerinnen von Nachqualifizierungen behandelten u.a. die Themen Externenprüfung, Anerkennung von informellen Qualifizierungen, Deutschkurse und Qualifizierungsberatung für MigrantInnen.

Nach einem Begrüßungskaffee wurden die Gäste von Frau Dr. Cornelia Seitz, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V., zur Fachtagung begrüßt und von ihr als Moderatorin durch die Tagung begleitet.

Im Folgenden ein Überblick über die Impulsreferate der eingeladenen Expertinnen und Experten:

 

Neue Entwicklungen im Programm „Perspektive Berufsabschluss“,
Frau Dr. Petra Post, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

Die bisherige Zuständigkeit von Herrn Dr. Albert ist auf Frau Dr. Post übertragen worden.

Hauptziel des Programms ist es, zukünftig Strukturen in der Bildungslandschaft zu verändern und ein besonderes Augenmerk auf das Ineinandergreifen von Bildungsphasen und Bildungsbereichen, sprich sogenannter Bildungsketten zu legen.

Waren in der Förderinitiative 2 (abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung) bisher 22 Projekte aufgelegt, sind 2010 20 neue Projekte hinzu gekommen.
Die Gesamtfördersumme für die 97 Modellregionen beträgt 67 Millionen € .(siehe Folien)

 

Stand in den Modellregionen und Ausweitung des Bundesprogramms,
Frau Eva Schweigard-Kahn, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung

Frau Schweigard-Kahn sprach über die Charakterisierung der Zielgruppen mit unterschiedlichen Lern- und Arbeitsbiographien, woraus sich ein adressatenorientierter Ansatz, der individuelle und strukturelle Stolpersteine, berücksichtigt, ableiten läßt.

Als Ergebnisse der bisherigen Projektarbeit sind zu benennen
- guter Start der Netzwerkarbeit
- Beratungsangebote für Betriebe und An- und Ungelernte
- Öffentlichkeitsarbeit

Ausblicke
- Schaffung von weiterbildungsbegleitenden Hilfen
- Absicherung nachhaltiger Strukturen und Angebote
- Austausch und Transfer von „good practice“-Beispielen der 1. und 2. Förderrunde und der Fachöffentlichkeit u.a. in Form einer Leitfadenreihe
- Schaffung von Synergien mit anderen Projekten (siehe Folien)

 

MoNa – Frankfurt, Diversität in der modularen Nachqualifizierung
Frau Britta Lahdhili, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V.

Diversität zielt darauf ab, die Individualität jedes Menschen als Potenzial zu begreifen, anzuerkennen, wertzuschätzen und durch Einbeziehung zu nutzen. Diversität beschreibt also ein Gesamtkonzept.
Auch wir in der Beratungsstelle MoNa - Frankfurt arbeiten unter einem ganzheitlichen Ansatz; denn wir verfolgen das Ziel, die Zahl der Berufsabschlüsse durch eine modulare Nachqualifizierung zu erhöhen und wollen durch nachhaltige Verankerung des Themas Nachqualifizierung in der Region zur Strukturentwicklung beitragen.

 

Projekt Quali-Adapt
Barbara Brem, Handwerkskammer für Oberfranken

Im Projekt „Quali-Adapt“ geht es in erster Linie um die Kompetenzermittlung für eine passgenaue Qualifizierung junger Erwachsener über 25 Jahre mit Migrationshintergrund.
Die Erstellung eines individuellen Bildungsplanes sowie die Integration von berufsbezogener Sprachförderung und sozialpädagogischer Begleitung gehören zu weiteren Maßnahmen des Projektes (siehe Folien).

 

MiQua – Hessische Leitstelle Migration - Qualifizierungsberatungsstelle für beschäftigte Migrantinnen und Migranten
Frau Rosina Walter, berami berufliche integration e.V.

Frau Walter stellte MiQua, die Hessische Leitstelle für Migration Qualifizierungsberatungsstelle für Beschäftigte mit Migrationshintergrund, in Kooperation mit dem Projekt Dikom, vor.
Die Arbeit wurde vor ca. 6 Monaten aufgenommen und berät Beschäftigte, Personalverantwortliche in KMU und Kooperationspartner.
So melden sich ca. 60 % der zu Beratenden, weil sie Angst vor einem Arbeitsplatzverlust haben. Die restlichen 40 % der Ratsuchenden treibt der Wunsch nach Veränderung in die Beratungsstelle.
Zu den Themen der Beratung von Personalverantwortlichen und Beschäftigten gehören u.a. berufsbezogene Deutschkurse, wobei die Definition des ESF-BAMF-Programms zu Grunde liegt:
„Berufsbezogene Sprachförderung ist ein Kursangebot für alle Personen mit Migrationshintergrund, die Arbeit suchen oder in ihrem Beruf weiter kommen wollen.“
Besondere Schwierigkeiten liegen dabei immer noch in der Kofinanzierung, die 45 % der Kosten ausmacht und in der Regel weder von Arbeitgebern, noch von den an- und ungelernten Beschäftigten getragen werden. Zur Verbreitung des Angebots, beabsichtigt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Initiative in Betrieben starten. (siehe Folien)

 

Wege zur Externenprüfung , Stand des bundesweiten Forschungsprojektes,
Herr Frank Ziemer, Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main

Herr Ziemer erklärte das Begleitprojekt „Zulassung zur Externenprüfung“.
Ziel ist es, Transparenz, Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Zulassungsverfahren zu gewährleisten, um verstärkt die Potentiale von Beschäftigten zu erschließen, die keine Erstausbildung absolviert haben. So geht es unter anderem darum, die Vielfalt der Bevölkerungszusammensetzung anzuerkennen und sich „auf den Weg zu machen“.
(siehe Folien)

 
Nach der Pause vermittelte Herr Carlos de la Fuente, AGAPLESION MARKUSDIAKONIE gGmbH ein Bild über die Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle MoNa-Frankfurt und die Entstehungen von Qualifizierungsangeboten im Pflegebereich. (siehe Folien)

 

Nachzuqualifizierende aus der Altenpflege


In einer lockeren Interview-Runde befragte Frau Dr. Seitz vier Frauen, die derzeit eine Nachqualifizierung zur Altenpflegerin durchlaufen, zu ihrer Motivation eine berufsbegleitende Qualifizierung aufzunehmen:
- Welche Probleme mussten Sie aus dem Weg räumen, um mit der Qualifizierung beginnen zu können?
- Welche beruflichen Vorteile erhoffen Sie sich von der Ausbildung?
- Welche persönlichen Vorteile erhoffen Sie sich von der Ausbildung?
- Was sagen Ihre Kolleginnen und Kollegen zu Ihrer Nachqualifizierung?
Alle Beteiligten freuen sich über die Chance, sich beruflich weiter qualifizieren zu können und einen Berufsabschluss zu erlangen. Durch die staatliche Fördermöglichkeit konnte der lang gehegte Wunsch nach einer Qualifizierung umgesetzt und die finanzielle Sicherheit im Alltag gewährleistet werden.
Über die Nachqualifizierung erhoffen sich die Frauen mehr Kompetenzen in der täglichen Arbeit einzubringen und eigene Prioritäten durchsetzen zu können. Auch wenn manchmal die Befürchtung aufkommt „es vielleicht doch nicht zu packen“.
Außerdem ist es ihr Bestreben in der gemeinsamen Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen die neu erworbenen Kenntnisse umzusetzen.
Von ihren Familien werden die Frauen bei ihrem Qualifizierungswunsch sehr unterstützt und die Kinder sind stolz und freuen sich, dass „Mama nun auch Hausaufgaben machen muss“. Auch die Herkunftsfamilien im Heimatland sind sehr froh über diese Chance, welche ihren erwachsenen Kindern mit der Nachqualifizierung gegeben wird.
Von den Kolleginnen und Kollegen werden die Teilnehmerinnen auch stolz unterstützt, wenn auch bei der einen oder dem anderen etwas Neid über diese Form der Anerkennung zu spüren ist.

 

Interview von Frau Dr. Seitz mit Frau Rukiye Tunc Tuygar, Tunc Trans e.K.

Frau Tunc, jetzige Inhaberin von Tunc Trans hat die Firma von ihren Eltern übernommen. In der Firma werden von 100 LKW-Fahrern alle Arten von Fahrzeugen gefahren, einige wenige Frauen arbeiten auf Büroarbeitsplätzen.
Die zusätzlichen Qualifikationen der Berufskraftfahrer reichen dabei von C+CE über den Gefahrgut ADR-Schein bis zu speziellen Anforderungen, die den Flughafen betreffen.
In der betriebseigenen Schulungsabteilung wird in Modulform die Ausbildung zum Berufskraftfahrer vervollständigt oder die komplette Ausbildung vermittelt.
Zu Beginn sind die Fahrer mit einer Nachqualifizierung oft nur einverstanden, da neuere gesetzliche Regelungen bestimmte Qualifizierungen vorschreiben und sie andernfalls ihren Beruf nicht mehr ausüben könnten. Sobald die Fahrer mit der Nachqualifizierung begonnen haben, zeigen sie sich offen für die neuen Lerninhalte und stellen fest, dass auch als Erwachsener lernen Spaß machen kann. Diese neue Freude am Lernen liegt vor allem daran, dass die Lerninhalte an der Praxis anknüpfen und am betrieblichen Alltag erklärt werden können.
Im unterstützenden und berufsbezogenen Deutschunterricht werden die Personen zusammen geführt, die einen ähnlichen Bedarf haben. So kann besser auf die individuellen Bedürfnisse der Fahrer eingegangen werden. Die Schulung der Fahrer ohne zusätzlichen Bedarf an berufsbezogener Deutschförderung erfolgt zu anderen Zeiten.
In ganz Hessen ist die Firma Tunc Trans, seit 2009, das einzige Transportunternehmen mit das eine eigene Schulungsabteilung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen installierte. Anfangs sahen die Nachqualifizierungen, die Deckung des firmeneigenen Bedarfs an qualifizierten Kräften vor, inzwischen werden auch von externen Transportunternehmen angefragt.

 


Abschlussplenum

Frau Dr. Seitz: Die Aufgaben und Tätigkeiten in den einzelnen Berufen werden immer komplexer, so dass sich zunehmend die Frage stellt, wie man Unternehmen motivieren kann, ihre Mitarbeiter nachzuqualifizieren?

Frau Tunc: Man kann nur Unternehmen motivieren, die auch motiviert sind.
Andere Transportunternehmen qualifizieren nicht, diese kommen eher zu Tunc Trans.

Herr Lüke: Gesetzliche Vorgaben fördern die Eigenmotivation. Es wird viel Geld für Qualifikationen in der Fach- und Führungsebene ausgegeben, auch in ein gutes Erstausbildungssystem wird viel investiert. Bei modernen Unternehmen wäre es gut sich auch der Ebene der an- und ungelernten Personen stärker als bisher anzunehmen.
Natürlich kommt es dabei auch immer auf die Personalverantwortlichen in den Betrieben an.

Frau Dr. Seitz: Gibt es für die berufsbezogenen Deutschkurse neue und weitergehende Ansätze?

Frau Walter: Viele Akteure müssen sich, nach Branchen vernetzen und der Vereinzelung entgegen wirken. Betriebe fühlen sich in dieser Frage nicht verantwortlich, also kann es eher ein Weg sein die Netzwerke, die in dieser Frage schon bestehen, mit den Bildungsanbietern zusammen bringen.

Herr de la Fuente: Arbeitgeber müssen sich auch verantwortlich fühlen, auch und gerade was den Bereich Deutsch betrifft. So wurden im Jahr 2000 aus Ungarn 130 Krankenschwestern angeworben, die in einem Crashkurs vier Wochen Deutsch lernten und danach begleitend Sprachunterricht erhielten.
Die Unternehmen hierzulande wollen nur deutschsprechendes Personal einstellen.

Herr Lüke: Aktuelle Förderinstrumente passen nicht zu dem Qualifizierungsweg, den An- und Ungelernte benötigen.

Frau Brem: Das wird besonders deutlich bei der Finanzierung für den Bereich Deutsch. Das Fördersystem muss sich individualisieren.

Frau Walter: Auch andere Branchen, z. B. die Pflege müssen stärker berücksichtigt werden, denn diese Personen werden in der Zukunft vermehrt gebraucht.

Herr Schmidt, Wirtschaftsförderung (Publikum): Innungen sollten auch mehr in die Qualifzierungsplanung mit einbezogen werden z.B. im Elektrohandwerk, Automechaniker, Motorradmechaniker und in der Pflege die Verbände. Es müsste mehr vorgegebene Weiterbildungen und gesetzliche Regelungen geben.

Frau Czablewski-Cavus (Publikum): Warum nehmen so wenig MigrantInnen an Weiterbildungen teil? In der Nachqualifizierung ist diese Zielgruppe größer. Die Mehrheit der Migranten und Migrantinnen treffen sich in der Deutschförderung, deshalb ist diese als Querschnittsaufgabe wichtig. Wenn berufsbezogenes Deutsch in den einzelnen Qualifizierungen verstärkt berücksichtigt wird, dann wird diese Personengruppe auch eher an den Weiterbildungsangeboten teilnehmen.

Frau Dr. Seitz: Welche Instrumente gibt es denn zur Weiterbildung?
Frau Walter: Der Qualifizierungsscheck wird genutzt um in der ausgeübten Tätigkeit weiterqualifiziert zu werden. Dieses Instrument ist nicht für Deutsch geeignet. (Zuruf aus dem Publikum: Doch geeignet.) Wir müssen auch nach passenden Instrumenten Ausschau halten.

Frau Mangel (Publikum): Ein Grund warum Weiterbildung oft nicht in Anspruch genommen wird ist: Die Finanzen werden nur für den Kurs gegeben, der Arbeitgeber sollte freistellen aber die Bezahlung ist so schlecht, dass Freistellung finanziell einfach nicht machbar ist.

(Publikum): Damals wurden in einem Krankenhaus jugoslawische Krankenschwestern in Deutsch gefördert und das Krankenhaus hat das Lehrgangsgeld bezahlt. Die FinanzgeberInnen müssen miteinander reden.

Ausblicke/Verabredungen

Herr Lüke: Für Mai 2011 ist ein Workshop geplant, der alle für die Nachqualifizierung in Hessen relevanten Akteure an einen Tisch bringen soll, um die Qualifizierungszugänge für An- und Ungelernte in Hessen zu verbessern.